Ende November rabattiert gefühlt der halbe Onlinehandel. Black Friday fällt 2026 auf den 27. November, Cyber Monday auf den 30., und drumherum laufen Black Weeks, Cyber Weeks und Aktionen mit eigenen Fantasienamen. Wer einen kleinen Shop betreut, bekommt spätestens im Oktober die Frage gestellt, ob man da nicht auch etwas machen sollte.
Meine Antwort ist nein. Ich halte Black Friday für eine Rabattschlacht, bei der gerade kleine Shops Geld verbrennen, oft ohne es zu merken. Hier rechne ich dir vor, warum, und zeige dir Alternativen.
Falls du trotzdem mitmachen musst, findest du auch die rechtlichen Regeln und eine Vorbereitung, die den Schaden klein hält. Mit einer Tabelle und einem Rechner prüfst du das Ganze mit deinen eigenen Zahlen.
Was bringt Black Friday deinem Shop wirklich?
Wie viel Umsatz läuft rund um Black Friday?
Laut Handelsverband Deutschland (HDE) gaben Verbraucher:innen an Black Friday und Cyber Monday 2025 voraussichtlich 5,8 Milliarden Euro für preisreduzierte Ware aus. Das waren knapp 2 % weniger als im Jahr davor mit 5,9 Milliarden Euro.1 Die Summe ist groß, sie wächst aber nicht mehr.
Für deinen Shop sagt diese Zahl wenig. Sie misst Umsatz, also das, was in die Kasse kommt. Was nach Rabatt, Wareneinsatz, Versand und Werbung übrig bleibt, steht nirgends. Außerdem wäre ein Teil dieses Umsatzes ohnehin gekommen, nur später und zum vollen Preis.
Wie viel davon ist echter Mehrumsatz?
Die Unternehmensberatung Kearney hat das zusammen mit 7Learnings untersucht, einem Anbieter von KI-gestützter Preissoftware. Grundlage waren Marktdaten bis Oktober 2024 und eine Befragung von rund 1.000 Konsument:innen in Deutschland. Betrachtet man drei Wochen vor und zwei Wochen nach Black Friday, bleibt nur rund 7 % Mehrumsatz übrig.2 Vor der Aktion warten die Kund:innen, danach haben sie schon gekauft.
Beim Gewinn sieht es schlechter aus. Laut der Studie verdienen Händler:innen am Black Friday 625 Millionen Euro, verlieren an den Tagen davor und danach aber rund 883 Millionen Euro durch entgangene Margen. Unterm Strich fehlen 258 Millionen Euro, und an Aktionstagen liegen die Margen bis zu 5 Prozentpunkte niedriger als an normalen Tagen.2
Am deutlichsten finde ich einen anderen Befund: Ein einzelner Shop könnte laut Kearney seinen Gewinn verdoppeln, ganz ohne Rabatte und Marketing, solange die anderen weiter rabattieren.2 Das ist eine Modellrechnung, erstellt mit einem Anbieter, der Preissoftware verkauft. Die Richtung passt aber zu den übrigen Zahlen in diesem Artikel.
Auch für die Kund:innen ist der Deal kleiner, als er sich anfühlt. Sie erwarten laut Studie mindestens 30 bis 50 % Rabatt, bekommen im Schnitt aber oft weniger als 10 %, und trotzdem sind 90 % zufrieden.2 Das Preisvergleichsportal Idealo kommt für den Black Friday 2024 auf eine durchschnittliche Ersparnis von 7 % gegenüber dem Vormonat. Nur etwa jedes zehnte Produkt war mindestens 20 % günstiger, systematische Preiserhöhungen vor dem Aktionstag fand Idealo allerdings nicht.3
Die Delle vor Black Friday machen viele Shops selbst noch größer. Wer schon im Juli oder August Teaser postet, dass im November wieder etwas kommt, signalisiert seinen Kund:innen, dass sie jetzt besser nicht kaufen.
Dazu kommt etwas, das in keiner Studie steht. Black Friday lebt davon, Menschen mit Zeitdruck zum Kauf von Dingen zu bewegen, die sie gerade nicht brauchen, auch Menschen, die eigentlich kein Geld dafür haben. Ein Teil davon geht als Retoure zurück, ein Teil bleibt ungenutzt im Schrank. Das halte ich für falsch, ganz unabhängig davon, ob es sich rechnet.
Rechne den Rabatt vorher durch
Viele kleine Shops kennen ihre Marge pro Bestellung nicht genau. Das liegt selten an Nachlässigkeit. Meist hatte schlicht niemand den Auftrag oder die Zeit, Wareneinsatz, Versand, Zahlungsgebühren und Verpackung einmal sauber aufzuschlüsseln.
Für Black Friday ist diese Zahl aber die wichtigste überhaupt. Gemeint ist der Deckungsbeitrag, also der Betrag, der nach Abzug aller Kosten pro Bestellung übrig bleibt. Warum er für die Geschäftsführung eines kleinen Betriebs neben dem Umsatz zu den wichtigsten Kennzahlen gehört, habe ich im Artikel über den Unterschied zwischen Messwert, PI und KPI beschrieben.
Wie viel musst du mehr verkaufen?
Ein Rabatt geht komplett von deinem Deckungsbeitrag ab, denn Ware und Versand kosten dich am Black Friday genauso viel wie an jedem anderen Tag. Wie viel du zusätzlich verkaufen musst, um am Ende beim gleichen Deckungsbeitrag zu landen, lässt sich mit einer einfachen Formel ausrechnen.
Nötiger Mehrabsatz = Rabatt ÷ (Marge − Rabatt)
Marge meint hier den Deckungsbeitrag in Prozent vom Netto-Verkaufspreis. Die Tabelle zeigt das Ergebnis für typische Kombinationen.
| Deine Marge | 10 % Rabatt | 20 % Rabatt | 30 % Rabatt | 40 % Rabatt |
|---|---|---|---|---|
| 30 % | +50 % | +200 % | kein Break-even | kein Break-even |
| 40 % | +33 % | +100 % | +300 % | kein Break-even |
| 50 % | +25 % | +67 % | +150 % | +400 % |
| 60 % | +20 % | +50 % | +100 % | +200 % |
Bei 40 % Marge und 20 % Rabatt musst du also doppelt so viele Bestellungen schaffen wie sonst, nur um gleich viel zu verdienen. Wer normalerweise 100 Bestellungen pro Woche hat, braucht in der Aktionswoche 200. Ist der Rabatt so hoch wie deine Marge, verdienst du an keiner Bestellung mehr etwas, egal wie viele kommen. Kearney hat im Schnitt rund 7 % Mehrumsatz gemessen.2
Retouren, zusätzliche Werbung und Käufe, die nur vorgezogen werden, stecken in der Tabelle noch nicht drin. Sie machen das Ergebnis schlechter. Im Rechner kannst du sie mit eintragen.
Trag deine Zahlen für eine Woche ein. Der Rechner vergleicht eine normale Woche mit einer Black-Friday-Woche. Gelb hinterlegte Felder sind Beispielwerte, einfach überschreiben.
Normalbetrieb
Aktion
Zusatzkosten
Ergebnis
Alle Ergebnisse sind ein illustratives Modell auf Basis deiner Eingaben, keine Prognose. Retournierte Bestellungen bringen im Modell keinen Deckungsbeitrag und kosten zusätzlich die Retourenkosten. Vorgezogene Bestellungen zählen in der Rechnung ohne Aktion als Bestellungen zum vollen Preis. Der langfristige Kundenwert ist nicht eingerechnet.
Welche Kosten kommen zum Rabatt dazu?
Der erste Kostenblock sind Retouren. Jede Rücksendung kostet dich Versand und Bearbeitung, manchmal auch Ware, die du danach nicht mehr zum vollen Preis verkaufen kannst. Ob Aktionskäufe bei dir häufiger zurückkommen, zeigen deine eigenen Daten. Vergleiche die Retourenquote der Bestellungen aus der letzten Black Week mit der aus einer normalen Woche im Oktober.
Der zweite Block ist Werbung. In der Black Week wollen alle gleichzeitig Aufmerksamkeit, und wer bei Google oder Meta Anzeigen schaltet, bietet in denselben Auktionen wie große Händler:innen mit. Was das für dich bedeutet, siehst du in deinem Werbekonto: Vergleiche die Kosten pro Bestellung aus der letzten Black Week mit einer normalen Woche, und rechne die Werbeausgaben gegen den Deckungsbeitrag, nicht gegen den Umsatz.
Rabatt, Retouren und Werbung zusammen ergeben den echten Preis einer Black-Friday-Bestellung. Am Ende steht dann im besten Fall eine Kundin, die nur wegen des Schnäppchens gekommen ist.
Welche Kund:innen gewinnst du am Black Friday?
Wer wegen eines Black-Friday-Angebots zum ersten Mal bei dir bestellt, sucht ein Schnäppchen. Ob diese Person je zum regulären Preis kauft, ist offen, und die Zahlen sprechen eher dagegen.
Der Softwareanbieter uptain hat Daten aus über 3.000 Onlineshops ausgewertet. Nur 22,6 % der Black-Friday-Erstkäufer:innen haben innerhalb von zwölf Monaten noch einmal bestellt.4 uptain verkauft Werkzeuge zur Kundenbindung und hat damit ein Interesse an genau dieser Aussage. In dieselbe Richtung zeigt aber auch die Forschung.
Der Marketingforscher Michael Lewis hat 2006 im Journal of Marketing Research gezeigt, dass Kund:innen, die mit 35 % Rabatt gewonnen wurden, langfristig nur etwa halb so viel wert waren wie Kund:innen ohne Rabatt.5 Die Studie ist 20 Jahre alt und beruht auf Daten einer Tageszeitung und eines Online-Lebensmittelhändlers in den USA. Der Mechanismus ist trotzdem derselbe. Wer über den Preis kommt, geht auch über den Preis.
Mit jedem Black Friday bringst du außerdem deinen Kund:innen bei, dass dein regulärer Preis nicht ernst gemeint ist. Wer weiß, dass du Ende November rabattierst, kauft im September nichts, was nicht dringend ist.
Und dann sind da die Kund:innen, die du eigentlich halten willst. Wer vor einem halben Jahr bei dir zum vollen Preis gekauft hat und jetzt sieht, dass genau dieses Produkt 30 % günstiger ist, fühlt sich nicht belohnt. Das hat ein Geschmäckle, und Stammkund:innen merken sich so etwas.
Prüf deshalb in deinen eigenen Daten, wie viele Black-Friday-Erstkäufer:innen aus dem letzten Jahr seitdem noch einmal bestellt haben. Dafür reicht ein Export der Neukund:innen aus der Black Week, den du mit den späteren Bestellungen abgleichst.
Was ist bei Rabatten rechtlich erlaubt?
Wenn du mitmachst, musst du die Regeln kennen. Die EU-Kommission hat im März 2026 die Ergebnisse einer Überprüfung von 314 Onlinehändler:innen rund um Black Friday und Cyber Monday veröffentlicht. Bei 30 % waren die Angaben zu Rabatten falsch.6
Ich bin keine Juristin. Nimm diesen Abschnitt als Überblick und lass deine Aktion im Zweifel prüfen.
Welcher Streichpreis gilt?
Nach § 11 der Preisangabenverordnung (PAngV) musst du bei jeder Preisermäßigung gegenüber Verbraucher:innen den niedrigsten Gesamtpreis angeben, den du in den letzten 30 Tagen vor der Ermäßigung verlangt hast.7 Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat 2024 im Fall Aldi Süd klargestellt, dass sich die Ermäßigung auch rechnerisch auf diesen 30-Tage-Preis beziehen muss. Das gilt für Prozentangaben genauso wie für Werbung mit Begriffen wie „Preis-Highlight“.8
Der Bundesgerichtshof (BGH) hat im Oktober 2025 nachgelegt. Der 30-Tage-Preis muss unmissverständlich, klar erkennbar und gut lesbar angegeben werden. Im entschiedenen Fall reichte eine kleingedruckte Fußnote am Seitenende eines Werbeprospekts nicht aus.9
Welche Pflichten für Onlineshops heute insgesamt gelten und wie sie sich seit 2000 angesammelt haben, zeigt mein Überblick über die Gesetze im E-Commerce.
Darfst du mit der UVP werben?
Ob ein Rabatt gegenüber der unverbindlichen Preisempfehlung (UVP) des Herstellers als Preisermäßigung zählt, ist umstritten. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat das im Dezember 2025 bei einer Werbung von Aldi Süd mit „-23 %“ bejaht, weil der Hinweis auf die UVP grafisch zurücktrat. Das Oberlandesgericht Köln hat im Mai 2026 in einem ähnlichen Fall entschieden, dass ein klar als UVP bezeichneter Vergleichspreis keine Preisermäßigung ist.10
Beim BGH sind dazu Verfahren anhängig, entschieden ist noch nichts (Stand: September 2026). Ich würde Prozentangaben deshalb nicht auf Basis der UVP ausrechnen. Wenn du die UVP nennen willst, kennzeichne sie deutlich und mach daraus keine Rabattzahl.
Sind Countdowns und Knappheitshinweise erlaubt?
Problematisch werden sie, wenn sie nicht stimmen. Ein Countdown, der nach Ablauf von vorn beginnt, oder ein „Nur noch 3 Stück“, das seit Tagen dasteht, täuscht eine Knappheit vor, die es nicht gibt. Bei der EU-Überprüfung arbeiteten 18 % der Händler:innen mit solchen Drucktechniken, mehr als die Hälfte davon irreführend. 36 % versuchten, zusätzliche Artikel in den Warenkorb zu legen, 40 % davon ohne eindeutige Zustimmung.6
Ich halte auch erlaubte Countdowns für fragwürdig. Sie sollen Menschen zu einer Entscheidung drängen, die sie ohne Zeitdruck vielleicht nicht treffen würden. Für eine Kundenbeziehung, die länger als eine Woche halten soll, ist das kein guter Start.
Darf deine Aktion Black Friday heißen?
Ja. Die Wortmarke „Black Friday“ war jahrelang in Deutschland eingetragen. 2023 wurde ihre Löschung endgültig, nachdem der BGH die letzte Beschwerde zurückgewiesen hatte, weil die Marke nicht ernsthaft benutzt worden war.11 Während des Rechtsstreits wichen viele Händler:innen auf andere Namen aus, etwa Black Week oder Cyber Week.12
Diese Namen sind geblieben. Manche Unternehmen nutzen auch ihre Markenfarbe: Ledvance nannte seine Black-Week-Aktion 2024 „Orange Week“.13 An der Sache ändert der Name nichts. Eine Orange Week zur Black-Friday-Zeit ist eine Rabattaktion, und es gelten dieselben Regeln.
Wenn du deiner Aktion einen eigenen Namen geben willst, prüf vorher im kostenlosen Register des Deutschen Patent- und Markenamts (DPMAregister), ob jemand den Begriff schon als Marke eingetragen hat.
Wann passt Black Friday zu deinem Shop?
Meiner Meinung nach selten. Große Händler:innen können über Masse und Einkaufskonditionen Rabatte verkraften, die einem kleinen Shop die Marge auffressen. In einer Befragung von Lexware unter 1.500 Selbstständigen und kleinen Unternehmen gaben 41 % der Einzelhändler:innen an, den Tag bewusst als Verkaufsanlass zu nutzen. 45 % der Befragten sahen keinen spürbaren Effekt auf ihren Umsatz.14
Wenn du trotzdem überlegst mitzumachen, beantworte vorher diese Fragen:
- Kennst du deinen Deckungsbeitrag pro Bestellung?
- Wie viel Mehrabsatz brauchst du laut Tabelle, und ist der realistisch?
- Erwarten deine Kund:innen überhaupt eine Aktion, oder kaufen sie bei dir wegen Beratung, Qualität oder Service?
- Passt eine Rabattschlacht zu deiner Marke?
Auch im B2B wartet der Einkauf
Im B2B, also beim Verkauf an Unternehmen, gilt Black Friday oft als Sonderfall. Für einen Trendreport von DHL wurden 2025 rund 4.050 Unternehmen in 19 Ländern befragt. 85 % der B2B-Händler:innen planten eine Teilnahme, 63 % hatten im Vorjahr höhere Black-Friday-Umsätze.15 Höhere Umsätze an diesem Tag sagen aber nichts darüber, was in den Wochen davor und danach gefehlt hat.
Ich sehe im B2B keinen Grund, anders zu rechnen. Einkäufer:innen kaufen zwar nicht aus FOMO, also aus Angst, etwas zu verpassen. Ihr Job ist es aber, für ihr Unternehmen Geld zu sparen. Wer weiß, dass der Lieferant in sechs Wochen 30 % Rabatt gibt, wartet.
Kopierpapier, Stifte und Reinigungsmittel werden außerdem nicht schlecht, die kauft man dann eben für ein halbes Jahr auf Vorrat. Der Vorzieheffekt ist im B2B also eher größer, und es geht um höhere Summen. Das betrifft vor allem Verbrauchsmaterial und Einrichtung, weniger Software oder Dienstleistungen.
Rechtlich gibt es einen Unterschied. § 11 PAngV gilt nur gegenüber Verbraucher:innen, in einem reinen B2B-Shop musst du den 30-Tage-Preis also nicht angeben.7 Lass Rabattwerbung trotzdem prüfen, wenn du unsicher bist.
Wie eine B2B-Aktion zur Black-Friday-Zeit aussehen kann, zeigt der Büromöbelhersteller Inwerk. Sein Onlineshop verkauft laut eigener Angabe nur an Industrie, Gewerbe, Selbstständige, Behörden und Schulen.16 2022 liefen dort die „Orange Office Weeks“ drei Wochen lang bis zum 2. Dezember, mit bis zu 40 % Rabatt auf die Eigenkollektion und der Zusage, innerhalb von zehn Werktagen zu liefern, damit die Möbel noch im selben Jahr ankommen.17 2024 warb Inwerk unter demselben Namen mit bis zu 50 % auf alle Büromöbel, wieder bis zum 2. Dezember.18
Das Wort Black Friday kommt in der Pressemitteilung von 2022 nicht vor. Ob sich die Aktion für Inwerk rechnet, weiß ich nicht. Das Beispiel zeigt aber, dass auch im B2B die Markenfrage dazugehört, also wofür du bei deinen Geschäftskund:innen stehen willst.
Welche Alternativen gibt es?
Ob du dich gegen Black Friday stellst, ist auch eine Frage deiner Marke. Eine Gegenposition wirkt nur glaubwürdig, wenn sie zu dem passt, was du das ganze Jahr über kommunizierst. Wer elf Monate lang mit Rabattcodes wirbt und im November plötzlich den Konsum kritisiert, macht sich angreifbar.
Ich finde grundsätzlich alles gut, was sich gegen übersteigerten Konsum stellt. Für jemanden, der seit vielen Jahren im E-Commerce arbeitet, ist das ein etwas paradoxer Satz (ich weiß). Aber es gibt Grenzen.
Lass den Rabatt einfach weg
Die einfachste Alternative ist, gar nichts zu machen. Kein Rabatt, keine Sonderkampagne, normale Preise. Laut Kearney ist das für einen einzelnen Shop im Schnitt sogar die profitabelste Variante, solange die anderen rabattieren.2
Du musst das nicht einmal groß ankündigen. Deine Stammkund:innen merken es trotzdem, und wer bei dir zum vollen Preis kauft, muss sich drei Wochen später nicht ärgern.
Verkauf Gutscheine für den Januar
Eine Idee, die ich bei anderen Shops gesehen habe: keine Rabattaktion im November, stattdessen Gutscheine, die erst im Januar eingelöst werden können, dann mit einem kleinen Rabatt. Im Saisongeschäft ist der Januar oft ein ruhiger Monat. So wandert die Nachfrage aus der einen hektischen Woche in eine Zeit, in der Lager und Team Luft haben, und die Kund:innen kaufen dann, was sie wirklich brauchen.
Ob sich das rechnet, kann ich dir nicht sagen. Das hängt von deinem Rabatt ab und davon, wie viele Gutscheine am Ende eingelöst werden. Rechne es vorher genauso durch wie eine Black-Friday-Aktion.
Kläre außerdem mit deiner Steuerberatung, wie dein Gutschein behandelt wird. Bei einem Einzweck-Gutschein, bei dem Ort und Steuersatz der späteren Leistung schon feststehen, fällt die Umsatzsteuer bereits beim Verkauf an, bei einem Mehrzweck-Gutschein erst bei der Einlösung.19
Reparieren, tauschen, zurückkaufen
Einige Unternehmen machen den Black Friday zum Gegenprogramm. Der Schweizer Taschenhersteller Freitag hat 2021, wie schon in den Jahren davor, an diesem Tag seinen Onlineshop geschlossen und auf seine Tauschplattform SWAP weitergeleitet, auf der Kund:innen gebrauchte Taschen untereinander tauschen. Ikea Schweiz veranstaltete 2021 statt Black Friday einen „Buyback Friday“: Mitglieder des Kundenprogramms konnten gebrauchte Ikea-Möbel zurückgeben und bekamen je nach Zustand bis zu 50 % des Neupreises als Gutschein.20
Die Wiener Secondhand-Läden 48er-Tandler haben 2023 erstmals eine „Orange Week“ als Gegenpol zur Black Week veranstaltet, mit Reparaturcafés, Kleidertausch und Möbelworkshops.21 Derselbe Name wie bei Ledvance, ein völlig anderes Konzept.
Für einen kleinen Shop heißt das: Biete Reparatur, Ersatzteile oder Pflege für das an, was du verkaufst, oder nimm gebrauchte Ware zurück. Das passt besonders zu Produkten, die lange halten sollen.
Spende statt Rabatt?
Das kann funktionieren, wenn die Spende konkret ist. dm Österreich hat 2022 am „Giving Friday“ 5 % des gesamten Tagesumsatzes an zwei Projekte für Artenvielfalt gespendet, eines davon ein Bildungsprogramm.22 Der Modehändler Hessnatur ließ 2022 seine Kund:innen selbst entscheiden, ob sie einen Rabatt wollen oder ob der gesparte Betrag gespendet wird.23
Für deinen Shop heißt das: Nenne Empfänger und Betrag oder Anteil konkret. „Wir spenden einen Teil“ ist zu vage, um Vertrauen zu schaffen.
Was darfst du bei Baumpflanzaktionen versprechen?
Beliebt sind auch Baumpflanzaktionen zum sogenannten Green Friday. Das Schweizer Modelabel Nikin hat 2022 vom 25. bis 28. November für jedes verkaufte Produkt zwei Bäume pflanzen lassen, zusammen mit einer Organisation für Wiederaufforstung und bei gleichbleibenden Preisen.24
Seit dem 27. September 2026 gelten in Deutschland strengere Regeln für Umweltwerbung. Aussagen, ein Produkt habe durch Kompensation von Treibhausgasemissionen eine neutrale oder positive Umweltwirkung, sind ausdrücklich verboten. Allgemeine Umweltaussagen wie „umweltfreundlich“ sind nur erlaubt, wenn du die Umweltleistung nachweisen kannst, und das gilt auch für Bilder, Logos und Produktnamen.25
Für eine Baumpflanzaktion heißt das: Schreib konkret, was passiert, also wie viele Bäume, mit welchem Partner und wo. Verzichte auf Versprechen wie „klimaneutral einkaufen“ oder „CO₂-ausgeglichen“.
Wenn du mitmachst: Was musst du vorbereiten?
Vielleicht siehst du das alles ähnlich wie ich und hast trotzdem die Vorgabe aus der Geschäftsführung, dass zum Black Friday irgendwas passieren muss. Dann mach es so, dass es möglichst wenig Schaden anrichtet.
Fang früh an. Wer mitmacht, sollte etwa ein halbes Jahr vorher planen, mit Lieferant:innen sprechen, die Ware einplanen und die Kampagne fertig haben. In der Praxis passiert das oft erst zwei bis vier Wochen vorher, und dann kommt Black Friday so überraschend wie Weihnachten am 23. Dezember.
Plan früh, aber kündige spät an. Teaser im Sommer verlängern nur die Zeit, in der deine Kund:innen nicht kaufen.
Halte die Aktion außerdem klein. Diese Varianten richten weniger Schaden an als ein Rabatt aufs ganze Sortiment:
- Nur Restposten und Auslaufware. So räumst du das Lager, statt Marge auf Ware zu verschenken, die du ohnehin verkaufen würdest.
- Nur für bestehende Kund:innen, zum Beispiel im Newsletter. Das ist eine Geste der Wertschätzung und braucht keine zusätzlichen Anzeigen.
- Mehrwert statt Preisnachlass, etwa Zubehör, eine Gravur oder ein Pflegeservice.
Auch die kleine Variante muss sauber gerechnet sein. Trag deine Zahlen vorher in den Rechner ein.
Denk an die Menschen, die die Aktion stemmen müssen. Lager, Versand und Kundenservice haben in dieser Zeit mehr zu tun, und trotzdem muss alles klappen. Prüf vor dem Start, ob Rabattcodes, Preise und Lagerbestände stimmen und jeder Streichpreis zum niedrigsten Preis der letzten 30 Tage passt.
Geh außerdem deine automatischen E-Mails durch. Dass E-Mail-Strecken nach dem Einrichten unbemerkt veralten und deshalb vor großen Verkaufsphasen geprüft werden sollten, habe ich im Artikel über das Testen von E-Mail-Strecken beschrieben.
Fazit
Ich würde nicht mitmachen. Black Friday bringt im Schnitt wenig echten Mehrumsatz, kostet Marge und zieht Kund:innen an, die selten wiederkommen. Allen anderen bringt er bei, auf den nächsten Rabatt zu warten, und er drängt Menschen dazu, Dinge zu kaufen, die sie nicht brauchen.
Bevor in deinem Betrieb jemand die Black-Friday-Kampagne startet, trag deine Zahlen in den Rechner ein. Ist das Ergebnis negativ, hast du ein handfestes Argument für die nächste Besprechung mit der Geschäftsführung.
Wenn du dich bewusst gegen Black Friday entschieden hast oder das Thema ganz anders siehst, diskutier gern mit mir auf LinkedIn.
Quellen
- Handelsverband Deutschland (HDE), „Black Friday und Cyber Monday“, Prognose 2025: einzelhandel.de/blackfriday ↩
- Kearney und 7Learnings, Black-Friday-Studie, 2024: Kearney Black-Friday-Studie (PDF) ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- t3n (Tobias Weidemann), „Idealo-Analyse: Bei diesen Produkten lohnt sich der Black Friday wirklich“, 2025: t3n.de ↩
- uptain (Harald Neuner), „Black Friday 2025: Shopping spree without loyalty“, 2025: uptain.de ↩
- Michael Lewis, „Customer acquisition promotions and customer asset value“, Journal of Marketing Research 43 (2), 2006: Zusammenfassung bei IAOR ↩
- Europäische Kommission, „EU-Kontrolle deckt irreführende Verkaufspraktiken im Internet auf“, 2026: commission.europa.eu ↩ ↩
- Bundesministerium der Justiz, § 11 Preisangabenverordnung: gesetze-im-internet.de ↩ ↩
- Gerichtshof der Europäischen Union, Pressemitteilung Nr. 152/24 zur Rechtssache C-330/23 (Aldi Süd), 2024: curia.europa.eu ↩
- Kanzlei Plutte, Beitrag zum BGH-Urteil I ZR 183/24 vom 09.10.2025, 2025: ra-plutte.de ↩
- IT-Recht Kanzlei, Beitrag zur Klage gegen Aldi Nord wegen Rabattwerbung mit UVP, 2026: it-recht-kanzlei.de ↩
- CMS Deutschland, Legal Update zur endgültigen Löschung der Marke „Black Friday“, 2023: cms.law ↩
- t3n, „Black Friday und die Markenrechte: Die letzte Runde des unseligen Rechtsstreits“, 2021: t3n.de ↩
- netzwelt, Beitrag zur Orange Week von Ledvance, 2024: netzwelt.de ↩
- Lexware, Pressemitteilung zu Black Friday bei Selbstständigen und kleinen Unternehmen, 2024: lexware.de ↩
- DHL Group, „DHL enthüllt Black-Friday-Trends: 84% der Onlinehändler setzen auf Umsatzanstieg - angetrieben von der jüngeren Generation“, 2025: group.dhl.com ↩
- Inwerk GmbH, Onlineshop Inwerk Büromöbel, abgerufen am 10.10.2026: inwerk-bueromoebel.de ↩
- Inwerk GmbH, „Gestartet: Orange Office Weeks bei Inwerk Büromöbel mit bis zu 40% Rabatt — in 10 Tagen lieferbar“, Pressemitteilung, 2022: openpr.de ↩
- Inwerk GmbH, LinkedIn-Beitrag zu den Orange Office Weeks, 2024: linkedin.com ↩
- IT-Recht Kanzlei, „Wie sind Wertgutscheine im Online-Shop korrekt zu besteuern?“, 2025: it-recht-kanzlei.de ↩
- Blick, Beitrag zu Händlern ohne Black-Friday-Rabatte, 2021: blick.ch ↩
- ORF Wien, Beitrag zur Orange Week der 48er-Tandler, 2023: wien.orf.at ↩
- pressetext, Meldung von dm drogerie markt Österreich zum Giving Friday, 2022: pressetext.com ↩
- Utopia, Ratgeber zum Green Friday als Alternative zum Black Friday, 2022, aktualisiert 2026: utopia.de ↩
- NIKIN, Blogbeitrag zum Green Friday, 2022: nikinclothing.com ↩
- IHK Schwerin, Informationen zu EmpCo und Werbung mit Nachhaltigkeit, 2026: ihk.de ↩